Viele Führungskräfte der mittleren Ebene leben ihre Rolle mit großem Engagement und gutem Willen. Sie setzen sich für ihre MitarbeiterInnen ein, möchten Abläufe und Strukturen verbessern und sind bereit, Veränderung umzusetzen. Doch aus dieser Haltung entspringen nicht nur gute Dinge, sondern manchmal tappen sie gerade wegen ihres guten Willens in typische Fallen:

 

1. Ich kann alle Probleme lösen

Viele Führungskräfte glauben, nur dann eine gute Führungskraft zu sein, wenn sie sich in allen Arbeitsbereichen besser auskennen als ihre MitarbeiterInnen. Sie wollen jederzeit fachlichen Rat geben können. Doch das ist nicht ihr Job! Die zentrale Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass die MitarbeiterInnen alle Fähigkeiten und Fertigkeiten besitzen, um ihre jeweilige Aufgabe zu erfüllen. Ermächtigen Sie Ihre MitarbeiterInnen und vertrauen Sie darauf, dass sie gute Arbeit leisten werden.

 

2. Ich bin der bessere Betriebsrat

In allen Organisationen gibt es Ungerechtigkeiten, schlechte Führung und mangelnde Information. Manche MitarbeiterInnen erleiden dadurch persönliche Nachteile. Es ist die Aufgabe des Betriebsrats oder der Personalvertretung, sich für die MitarbeiterInnen einzusetzen. Wenn Sie alle Kämpfe für Ihre MitarbeiterInnen bis zur letzten Konsequenz selber führen, sind Sie vielleicht in Ihrem Team beliebt – doch Sie gefährden Ihre Glaubwürdigkeit gegenüber der obersten Führung.

 

3. Ich gehe alleine voraus

Manche Führungskräfte erkennen Veränderungsbedarf früher als andere. Sie wissen, dass rechtzeitige Anpassungen viel Arbeitsaufwand und Stress ersparen, und beginnen daher frühzeitig mit Umstrukturierungen, neuen Produkten oder anderen Abläufen. Falls Sie sich zu diesen Führungskräften zählen, achten Sie darauf, dass Sie nicht zu weit voraus gehen. Ansonsten erzeugen Sie einen so starken Widerstand, dass alle Ihre Bemühungen vergebens sind.

 

4. Ich sorge dafür, dass alle Regeln eingehalten werden

In Organisationen werden von der obersten Führung wöchentlich, ja manchmal sogar täglich neue Regeln erlassen, Strukturen verbessert, Sparmaßnahmen angekündigt und Organigramme neu gezeichnet. Oft entstehen Widersprüche zwischen den einzelnen Plänen und Anordnungen. Falls Sie alles ohne Interpretation weitergeben, überfordern Sie Ihre MitarbeiterInnen. Als Führungskraft haben Sie die Aufgabe, für die Einhaltung aller Regeln zu sorgen. Zugleich müssen Sie aber auch darauf achten, dass die Anwendung in Ihrem Bereich Sinn macht. Seien Sie also nicht päpstlicher als der Papst.

 

5. Ich werde alle überzeugen

Manchmal treffen die obersten Führungskräfte sehr schlechte Entscheidungen. Es wird versucht, ein anstehendes Problem zu lösen, aber die Konsequenzen dieser Maßnahme sind weit nachteiliger für die Organisation als das ursprüngliche Problem. Falls Sie als Führungskraft die Konsequenzen deutlicher erkennen können als andere, versuchen Sie, die Meinung der obersten Führungskräfte nicht alleine zu ändern. Suchen Sie Unterstützung bei Ihren KollegInnen, die auf Ihrer Ebene sind.

Wie können Sie erkennen, dass Sie in eine der Fallen getappt sind? Reflektieren Sie Ihre aktuelle Führungsrolle regelmäßig. Sprechen Sie mit KollegInnen über die aktuelle Situation. Tauschen Sie sich über die unterschiedlichen Erwartungen aus. In meinen Seminaren können Sie Ihre aktuelle Führungsrolle reflektieren und wertvolle Anregungen von anderen Führungskräften bekommen.

 

Autor: Mag. Alfred Faustenhammer
www.faustenhammer.com

 

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