Zahlreiche Literaturquellen gehen davon aus, dass im mitteleuropäischen Raum heutzutage mindestens 20% aller Wohnungen Schimmel in mindestens einem Raum aufweisen. Dieser Zustand hält an, obwohl viele Wohnungsnutzenden mittlerweile über die Wichtigkeit von richtigem Heizen und Lüften informiert sind. Und obwohl es bekannt ist, dass Schimmelpilze vor allem Feuchtigkeit benötigen, um zu wachsen. Trotzdem scheint es viel Unwissen zum Thema Schimmel in Gebäuden zu geben!

 

Gesundheitliche Beeinträchtigungen

Wussten Sie,
dass die Weltgesundheitsorganisation in Studien zeigte, dass es bei Feuchteschäden und Schimmelwachstum in Innenräumen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen kann? Dies umfasst vor allem Atemwegsbeschwerden, Reizungen der Atemwege und der Schleimhäute sowie ein vermehrtes Auftreten von Atemwegserkrankungen. Zu betonen ist jedoch, dass der genaue Wirkmechanismus noch immer ungeklärt ist und Sporenkonzentrationen in der Raumluft nicht immer das gegebene Risiko widerspiegeln. Daher ist nach dem Vorsorgeprinzip die Belastung der Raumluft mit Sporen, Bestandteilen und Stoffwechselprodukten von Schimmelpilzen und anderen Mikroorganismen zu minimieren, bevor negative gesundheitliche Wirkungen auftreten.

 

Nachweismethoden für Schimmel

Wussten Sie,
dass es eine Vielzahl von Nachweismethoden für Schimmel gibt – von der Bestimmung in der Raumluft bis hin zur Detektion mit IR- oder UV-Licht? Wichtig ist jedoch, diese sinnvoll und zielgerichtet einzusetzen. Liegt ein bereits sichtbarer Schimmelbefall vor, so ist es meist klüger, das Geld, das der Nachweis des Schimmels kostet, in die Sanierung zu stecken. Zudem ist darauf zu achten, dass derartige Untersuchungen nach einschlägigen Normen durchgeführt werden (z.B. Normenreihe ÖNORM EN ISO 16000). Von der Messung mittels Sedimentationsplatten (in Form von im Handel erhältlichen, von Betroffenen selbst anzuwendenden Sets) wird ausdrücklich abgeraten, da die Anwendung keine aussagekräftigen Ergebnisse liefert und überdies sehr fehleranfällig ist. Bei der Beurteilung und Bewertung von Messergebnissen sollte jedenfalls die Qualität der Messdurchführung, Jahreszeit, Umgebungsbedingungen und alle weiteren wesentlichen vor Ort erhobenen Faktoren wie Personenanzahl, Lüftungsverhältnisse und vieles mehr in einer Gesamtschau berücksichtigt werden.

 

Luftfeuchtigkeit in einem 4-Personen-Haushalt

Wussten Sie,
dass eine vierköpfige Familie ca. 12 Liter Feuchtigkeit/Tag u.a. durch Körperpflege, Kochen, Waschvorgänge und Atmung in die Wohnungsraumluft abgibt? Werden 10 kg feuchte Wäsche zum Trocknen in einer Wohnung aufgehängt, so kann mit der enthaltenen Feuchtigkeit ein Raum mit 100 m² Fläche vollständig mit Wasserdampf befüllt werden (100% relative Luftfeuchtigkeit!). Haben Sie in ihrer beruflichen Praxis schon oft Wohnungen begangen, die über so große Zimmer zum Wäsche trocknen verfügen? Somit ist ein Schimmelproblem vorprogrammiert, wenn Wäsche in der Wohnung getrocknet wird – außer die Feuchtigkeit wird bewusst und unmittelbar ins Freie abgeführt.

 

Schimmelbildung in den Sommermonaten

Wussten Sie,
dass immer häufiger Schimmelfälle auch in den Sommermonaten gemeldet werden? An Hitzetagen (Außentemperatur höher als 29°C) ist deshalb darauf zu achten, dass tagsüber die
Lüftungsaktivitäten eingeschränkt werden, um zu verhindern, dass zu viel feucht-warme
Außenluft in die Wohnräume einströmt, die gegebenenfalls an kühlen Bauteilen auskondensiert bzw. dort zu überhöhten Feuchtigkeitskonzentrationen (> 80 % relative Luftfeuchte in Oberflächennähe) führt – dieser Effekt wird Sommerkondensation genannt. Verstärkt tritt dieser Effekt bei Keller- oder Souterrainräumen auf. Eine aktive Kellerlüftung in der warmen Jahreszeit darf daher ausschließlich über die absolute Feuchte geregelt betrieben werden.

 

Sanierung von Schimmelschäden

Wussten Sie,
dass konkrete Angebote für Sanierungen ein und desselben Schimmelschadens Preisunterschiede von mehr als 300% aufweisen können? Die Sanierung von mikrobiell befallenen Materialien muss das Ziel haben, sämtliche vorhandenen mikrobiellen Bestandteile wie Sporen, Mycel, Bakterien usw. zu entfernen. Bei Leichtbaukonstruktionen ist etwa auch die Innenseite der Konstruktion auf ein mikrobielles Wachstum zu prüfen. Befallene, einfach zu demontierende Wand- und Deckenkonstruktionen oder Verschalungen sind in jedem Fall zu ersetzen. Eine bloße Abtötung der Mikroorganismen reicht nicht aus, da auch abgetötete Organismen sowie deren Metaboliten und Bruchstücke von gesundheitlicher Relevanz sind und z.B. allergische Reaktionen auslösen können. Die Sanierung hat unter Beachtung einer gründlichen Gefährdungsabschätzung vor Beginn der Arbeiten und der daraus folgenden technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen zu erfolgen. Bei einer Sanierung ist auch darauf zu achten, dass das Ausbreiten von mikrobiellen Bestandteilen in nicht betroffene Innenräume verhindert wird. Die Verwendung von Bioziden in Innenräumen als Sanierungsmaßnahme ist im Allgemeinen unerwünscht und nicht empfehlenswert, da der Nutzen häufig nicht gegeben bzw. äußerst zweifelhaft ist und hierdurch zusätzliche gesundheitlich bedenkliche Substanzen eingebracht werden können. Zur Beurteilung und Sanierung eines Schimmelbefalles in Innenräumen bzw. zur Abklärung offener Fragen in Zusammenhang mit Schimmelbefall wird daher dringend empfohlen, als Grundlage den „Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden“ des Arbeitskreises Innenraumluft des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus („Schimmelleitfaden“) heranzuziehen.

 

Online-Schimmelfragebogen der Stadt Wien

Wussten Sie,
dass die Stadt Wien einen Online-Schimmelfragebogen entwickelt hat? Er soll durch Beantwortung von insgesamt 30 Fragen helfen, ein persönliches Risikopotenzial für einen Schimmelschaden aufgrund des Nutzungsverhaltens und der baulichen Gegebenheiten zu ermitteln. Mitgegeben werden zudem nützliche Hinweise, wie sich dieses Risiko reduzieren lässt – maßgeschneidert auf die jeweilige Wohnsituation. Dieses kostenlose Service der Stadt Wien ist ein weltweit einzigartiges Angebot und unter http://gesundwohnen-wien.at abrufbar.

 

Weiterführende Literatur

Dokumente des Arbeitskreises Innenraumluft des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus, beispielsweise:

  • Positionspapier zu Schimmel in Innenräumen
  • Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden („Schimmelleitfaden“)

Alle Publikationen des Arbeitskreises Innenraumluft können online bezogen werden unter:
https://www.bmnt.gv.at/umwelt/luft-laerm-verkehr/luft/innenraumluft.html

 

Autor: DI Dieter Werner, MSc

 

Seminartipp: Schimmelpilz in Gebäuden