Wie authentisches Leadership gelingt

Ein guter Leader kennt den Weg, zeigt den Weg und geht den Weg, heißt es treffend. In diesen turbulenten und disruptiven Zeiten ist gutes Leadership wichtiger denn je. Dabei stehen viele Führungskräfte vor dem Dilemma, dass ihre Mitarbeiter agil, flexibel und selbstbestimmt arbeiten wollen und die hierarchische, autoritäre Führung vergangener Jahrzehnte nicht mehr funktioniert. Zwei Aspekte sind in erster Linie dafür entscheidend, wie die eigene Führungsrolle im Strudel von Veränderung und neuen Ansprüchen der Mitarbeiter gelungen ausgefüllt werden kann.

 

Authentizität

An erster Stelle eines guten Leaders steht seine eigene Persönlichkeit. Das Vertrauen der Mitarbeiter zu ihrer Führungskraft ist entscheidend für die Frage, wie gut sie den Visionen, Wünschen und Anweisungen folgen. Authentisch zu sein bedeutet:

  • Innerlich und äußerlich identisch zu sein.
  • Das Gleiche zu sein wie zu scheinen.
  • Gesagtes und Gefühltes sind gleich.
  • Inhalt und Form passen zusammen.
  • Es ist spürbar, dass Sie zu 100 % hinter dem Gesagten stehen.

Warum der Großteil der Kommunikation nicht funktioniert, ist leicht erklärt:

  • Es handelt sich um inhaltsleere Marketing-Spreche: „Bei uns stehen die Mitarbeiter an erster Stelle“ in Zeiten von Personalabbau.
  • Es gibt unglaubwürdige Inszenierungen: Der Liebling des Chefs und nicht die kompetenteste Person wird gelobt und befördert.
  • Erlebtes entspricht nicht dem Gesagten: Die kritischen Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung verschwinden in der Schublade, statt die versprochene Veränderung zu bewirken.
  • Geweckte Erwartungen werden nicht erfüllt: Wir werden das Bonussystem reformieren, heißt es seit über 10 Jahren.

Vertrauen und Glaubwürdigkeit brauchen längere Zeit, um aufgebaut zu werden. Ein einziges Erlebnis kann dieses Vertrauen auf einen Schlag unwiederbringlich zerstören. Vertrauen bezieht sich nicht nur auf die fachliche Kompetenz der Führungskraft, sondern auch auf das Gefühl, emotional sicher zu sein. Erst im sicheren Bereich einer Vertrauenskultur ist offen geäußerte Kritik möglich, die im kleinen und im großen Rahmen Veränderungen zum Besseren bewirken kann.

 

Der Archetyp des Königs

Viele Führungskräfte haben Schwierigkeiten, ihre Rolle klar zu definieren. Weder das autoritäre Gehabe der Manager der Alten Schule noch die kumpelhafte Kommunikation auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern führt zu den gewünschten Ergebnissen. Ein hilfreiches Bild für die gelungene Gestaltung der Führungsrolle ist der Archetyp des Königs.

Der Archetyp des Königs hat zwei Aufgaben:

1. Er setzt die Regeln fest.

2. Er spendet Fruchtbarkeit und Segen: Die Regeln haben den Sinn, dass sich alle möglichst gut entwickeln können.

Gibt es keine Regeln, herrscht Chaos. Selbst in einem agilen Arbeitsumfeld, in dem scheinbar völlige Freiheit in den dynamisch geformten Projektteams herrscht, gibt es strenge Regeln, die die Zusammenarbeit nicht nur verbessern, sondern überhaupt erst ermöglichen. Das „Timeboxing“ etwa gibt einen festen Zeitrahmen für einen Arbeitsschritt vor. Auch die Rollen in agilen Frameworks, wie Scrum oder Kanban, sind klar definiert. Eine gute Führungskraft achtet darauf, dass es sinnvolle Regeln gibt, die eine gelungene Zusammenarbeit und bessere Ergebnisse ermöglichen.

Die Regeln sind jedoch nicht dazu da, um die Macht des Königs zu beweisen oder sinnentleerte Rituale zu schaffen, die den Gehorsam der Mitarbeiter erkennen lassen. Die Regeln dienen dazu, die gemeinsamen Ziele besser zu erreichen und die Entwicklung voranzutreiben, und nicht nur dazu, um den Bonus des Managers zu steigern und ihm die nächste Gehaltserhöhung oder Beförderung zu sichern.

Im Klassenzimmer etwa hat der Lehrer die Königsrolle inne. Eine Unterstufenklasse ohne Lehrer ist blankes Chaos. Ein guter Lehrer wird wohl auf Ruhe während des Unterrichts achten und Pünktlichkeit von den Schülern einfordern. Diese Regeln dienen jedoch nicht dazu, seine Machtstellung öffentlich zu festigen, sondern das gute Lernen der Schüler erst zu ermöglichen. Gute Regeln schaffen den Rahmen und geben dem Team und seiner Arbeit Orientierung.

 

Nicht nur das Erreichte zählt, sondern auch der Weg dorthin

Manche Manager führen ihre Mitarbeiter mit eiserner Hand zu Höchstleistungen. Doch angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels und neuer Arbeitsformen von agilen Projekten bis New Work funktioniert klassisches Management vor allem bei der jungen Generation nicht mehr. Das Vertrauen zu einer glaubwürdigen, authentischen Führungspersönlichkeit und ein verbindlicher Rahmen an sinnvollen Regeln sind die Schlüssel für ein loyales Team und langfristigen Erfolg.

 

Autor: Dr. Conrad Pramböck

 

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